Die Legende auf Schienen: „Big Boy“ Nr. 4014

Anlässlich des 250. Jahrestages der Vereinigten Staaten von Amerika durchquert die Union Pacific „Big Boy“ Nr. 4014, die größte betriebsfähige Dampflokomotive der Welt, derzeit die Nation. Diese beeindruckende Maschine, die einst schwere Güter durch die Wasatch Mountains beförderte, ist zu einer rollenden Attraktion geworden, die Menschenmassen entlang ihrer Route versammelt. Ihre Reise, die in Wyoming begann und sie bis an die Ostküste führte, markiert einen Höhepunkt in den Feierlichkeiten zum amerikanischen Jubiläum.

Ein unvergessliches Spektakel in Philadelphia

Ein besonderer Höhepunkt der Tour war der Aufenthalt in Philadelphia über das Wochenende des 4. Juli. Trotz rekordverdächtiger Temperaturen von 102 Grad Fahrenheit, die sich aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit wie 112 Grad anfühlten, versammelten sich zahlreiche Schaulustige am Valley Forge National Historical Park, um einen Blick auf die vorbeifahrende Lokomotive zu erhaschen. Viele hatten Campingstühle und Kühlboxen mit Wasser mitgebracht, um die Wartezeit angenehmer zu gestalten. John Seibert, der mit Freunden von einem Modelleisenbahnclub angereist war, beschrieb das Erlebnis als „einmalig im Leben“.

Die Spannung stieg, als die Menschen auf ihren Smartphones den Fortschritt des Zuges verfolgten. Schon von Weitem war das charakteristische Pfeifen der Lokomotive zu hören, gefolgt von den hellen Scheinwerfern, die sich in der Ferne abzeichneten. Als die 133 Fuß lange und 1,2 Millionen Pfund schwere „Big Boy“ schließlich vorbeirauschte, mit klingelnden Glocken und ohrenbetäubendem Pfeifen, war die Begeisterung groß. Seibert schilderte den Moment, als die Lokomotive direkt an ihnen vorbeipfiff, als ein tiefgehendes Erlebnis.

Hautnaher Kontakt im Navy Yard

Einige Tage später bot sich der Öffentlichkeit die Gelegenheit, die „Big Boy“ und ihren 18 Waggons umfassenden Zug im Philadelphia Navy Yard aus nächster Nähe zu bestaunen. Der 15-jährige Brandon Westerfield aus Leonardo, New Jersey, war mit seiner Mutter angereist und zeigte sich von der schieren Größe der Lokomotive beeindruckt. „Es ist offensichtlich, aber sie ist riesig“, sagte der junge Eisenbahnenthusiast. „Es ist so cool, etwas so Großes direkt vor sich zu sehen.“ Seine Mutter, Althea Westerfield, die schon viele Züge mit ihrem Sohn gesehen hat, war ebenfalls überwältigt: „Als er mir davon erzählte, dachte ich, okay, es ist wieder ein Zug, aber jetzt, wo ich hier bin, ist es absolut unglaublich. So etwas habe ich noch nie gesehen.“

Die Geschichte einer Ikone

Die Union Pacific Railroad gab zwischen 1941 und 1944 insgesamt 25 „Big Boy“-Lokomotiven in Auftrag. Ihre Hauptaufgabe bestand darin, schwere Güterzüge durch die anspruchsvollen Wasatch Mountains in Utah und Wyoming zu ziehen. Ihr Gelenkdesign ermöglichte es ihnen, enge Kurven zu befahren, und zwei Kolbensätze trieben jeweils acht Räder an. Die Ära der „Big Boy“-Lokomotiven endete 1962, als sie durch effizientere Diesellokomotiven ersetzt wurden. Von den ursprünglich 25 Exemplaren sind acht erhalten geblieben, doch nur die Nummer 4014 ist noch betriebsfähig.

Der Mann am Steuer: Ed Dickens

Die aufwendige Restaurierung der Lokomotive Nr. 4014 wurde von Ed Dickens, dem Senior Manager der Union Pacific Heritage Operations, geleitet. Dickens, der auch der Lokführer der „Big Boy“ ist, verkörpert das Bild eines traditionellen Eisenbahners mit seinem Overall und seiner Mütze, die die Nummer der Lokomotive trägt. Er ist es, der diese 7000 PS starke Maschine über das Land steuert. „Alles wird manuell bedient, es gibt nichts Automatisches“, erklärte Dickens nach einer Selfie-Runde mit Fans.

Matt Zollers aus Hatsboro, PA, lobte Dickens als „super Botschafter“ der Union Pacific. „Was für ein großartiger Kerl, ein großartiger Vertreter der Union Pacific. Er nimmt sich die Zeit, mit jedem zu sprechen, so freundlich, also ein großes Lob an ihn.“ Dickens selbst zeigte sich von der Begeisterung der Menschen tief beeindruckt: „Aus persönlicher Sicht ist es einfach spektakulär für uns, das Glück und die Menschenmassen zu sehen.“

Sicherheitshinweise und die Heimreise

Allein in Philadelphia besuchten an zwei Tagen fast 100.000 Menschen die „Big Boy“. Nach ihrem beeindruckenden Aufenthalt trat die Lokomotive die Heimreise nach Wyoming an, mit weiteren geplanten Stopps in Pennsylvania, Ohio, Illinois, Missouri, Kansas und Colorado. Dickens betonte die Wichtigkeit der Sicherheit für alle, die die Lokomotive entlang ihrer Route sehen möchten: „Bitte zögern Sie nicht, Ihren Mitamerikanern zu sagen: ‚Hey Leute, ich habe mit dem Lokführer gesprochen und er hat mir gesagt, ich soll euch sagen, dass ihr Abstand halten sollt. Immer 25 Fuß Abstand.‘“ Und sollte dies nicht beachtet werden, wird das unverkennbare Pfeifen der „Big Boy“ sicherlich eine deutliche Warnung sein.

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